Hessen startet Pilotprojekt zur automatischen Steuererklärung
In Hessen hat ein Pilotprojekt begonnen, bei dem das Finanzamt die Einkommensteuererklärung für ausgewählte Steuerpflichtige automatisch erstellt. Den Betroffenen wird ein Vorschlag übermittelt, den sie nur noch bestätigen oder über die Online-Plattform Elster anpassen müssen.
Start in Kassel mit 6.000 Steuerpflichtigen
Der Testlauf startet im Zuständigkeitsbereich des Finanzamts Kassel und umfasst rund 6.000 Steuerpflichtige. Dabei handelt es sich um Personen, die nach Angaben des Finanzministeriums ihre Einkommensteuererklärung für 2024 bereits zu spät abgegeben haben. Grundlage für die automatisierten Vorschläge sind Daten, die der Steuerverwaltung ohnehin vorliegen, etwa zu Lohn, Renten oder Versicherungen.
Nach Erhalt des Vorschlags haben die Steuerpflichtigen vier Wochen Zeit, diesen anzunehmen oder zu ergänzen. Erfolgt innerhalb dieser Frist keine Rückmeldung, erstellt das Finanzamt den Steuerbescheid automatisch. Alternativ bleibt es möglich, eine eigene Steuererklärung einzureichen.
Voraussetzungen für Teilnahme
Das Angebot gilt nur für Personen, die zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind und nicht von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein vertreten werden. Grundsätzlich ist in Deutschland nicht jeder Arbeitnehmer verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen.
Eine Pflicht besteht jedoch unter anderem, wenn mehr als 410 Euro an Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Elterngeld oder Kurzarbeitergeld pro Jahr bezogen werden oder wenn gleichzeitig mehrere Arbeitgeber bestehen. Auch Freiberufler und Gewerbetreibende müssen regelmäßig eine Steuererklärung abgeben. Die Abgabefrist endet in der Regel am 31. Juli des Folgejahres, kann aber verlängert werden.
Reaktionen von Verbänden
Der Vorsitzende des Bundes der Steuerzahler Hessen, Joachim Papendick, bezeichnete das Projekt als „Schritt in die richtige Richtung“. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei der Vereinfachung der Steuererklärung zurückliege.
Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft begrüßte den Testlauf ebenfalls. Der Bundesvorsitzende Florian Köbler erklärte, dass durch die Digitalisierung Standardfälle automatisiert bearbeitet werden könnten. Dies verschaffe den Beschäftigten in den Finanzämtern mehr Kapazitäten für komplexere Fälle.
Ziel: Entlastung und Effizienzsteigerung
Hessens Finanzminister Alexander Lorz erklärte, das Projekt bringe Vorteile für beide Seiten. Bürger würden entlastet, und die Verwaltung könne Ressourcen einsparen. Sollte der Test erfolgreich verlaufen, plant die Landesregierung eine Ausweitung auf weitere Regionen.
